1. Wichtig: tägliche Beobachtung oder "kleiner Gesundheitscheck"

Es ist die Aufgabe des Halters seine Tiere täglich gut zu beobachten um mögliche optische und verhaltenstypische Auffälligkeiten, die auf eine Erkrankung hinweisen können, rechtzeitg zu bemerken und einzugreifen. Spätestens bei der täglichen Futterung sollte er sich folgende Fragen stellen:

  • Ist das Tier sauber, geputzt und frei von Verletzungen?
  • Frisst bzw. hat das Tier heute etwas gefressen?
  • Holt es sich seine Lieblingsleckerchen ab?
  • Wirkt das Tier abgemagerter oder dicker als sonst?
  • Sieht der herumliegende Kot normal aus?
  • Ist das Tier agil und aktiv? 
  • Ist es an seiner Umgebung interessiert? 
  • Nimmt es am Sozialleben teil? 
  • Reagiert es, wenn ich es rufe?


    Diese wenigen, aber wichtigen Fragen können ohne das Herausnehmen des Tieres beantwortet werden.

    Wenn eine der Fragen mit NEIN beantwortet wurde, so sollte man den "Gesundheits-Check bei Bedarf" durchführen und dafür den Kleinsäuger aus dem Gehege nehmen.


    2. Gesundheitscheck bei Bedarf

    Wenn dem Halter etwas bei dem täglichen "kleinen Gesundheitscheck" aufgefallen ist, sollte das betroffene Tier aus dem Gehege genommen und genauer betrachtet werden.
    Nun schaut Euch das Tier, soweit es natürlich möglich ist, genauer an:

    • Fell:

    Ist es frei von Kahlstellen? Ist es glänzend und nicht struppig? Ist die Haut frei von Schuppen, Verletzungen? Ist es sauber und trocken?

    • Augen:

    Sind sie klar, sauber und glänzend? Sind sie frei von Ausfluss?

    • Ohren:

    Sind sie sauber? Sind sie frei von Schuppen und Krusten?

    • Nase:

    Hat sie ihre natürliche Färbung? Ist sie frei von Blut und anderem Ausfluss? Ist das Fell unterhalb und um die Nase herum trocken?

    • Analregion:

    Ist sie sauber? Ist der Kot normal? Vgl. Konsistenz, Farbe, Größe.

    • Füße/Nägel:

    Sind die Nägel normal lang? Sind die Füße frei von Verletzungen?

    • Maul/Zähne:

    Ist die Mundschleimhaut normal gefärbt? Ist sie frei von Verletzungen und Entzündungen? Sind die Zähne in Ordnung (normal lang, normal gefärbt, fest und nicht abgebrochen)? ist die Zunge frei von Belag/Verfärbungen? Ist das Tier um die Mund- und Nasenregion trocken? Riecht das Chinchilla normal aus dem Mund?

    • Inneres:

    Fühlt ihr beim Abtasten Einschlüsse/ Verhärtungen in der Haut? Fühlt ihr beim Abtasten die Knochen? Ist der Bauch weich?

    • Gewicht:

    Das Gewicht sollte regelmäßig kontrolliert werden, viele Halter wiegen ihre Tier jede Woche. Andere Halter tun dies in eher unregelmäßigen Abständen, was natürlich für die Tiere stressfreier ist. Wie auch immer sollte das Gewicht des Tieres im Auge behalten werden, so kann man Abmagerung oder Gewichtszunahme erkennen und bedarfsgemäß handeln. Aber auch beim Nebenbei-Abtasten und Beobachten kann eine mögliche Gewichtsschwankung registriert werden. Anm.: Nicht jede Gewichtsabname ist bedenklich. Chinchillas wiegen im Herbst/ Winter mehr als im Sommer, nehmen auch mal schnell ab z.B. nach einer OP.


    Sollte etwas mit dem Kleinnager nicht in Ordnung sein oder man ist sich unsicher, sollte ein Tierarzt aufgesucht werden.


    3. Hausapotheke

    Diese Mittel sollte jeder Mäuseartige-Halter zuhause und für den Notfall haben:


    Medizin

    • Colosan (allerlei Verdauungsstörungen v.a. Aufgasung & Durchfall)
    • Bene Bac Pulver oder Cd Vet Darm aktiv (Darmfloraaufbau)
    • Imogas oder Sab Simplex/Lefax (erste Hilfe bei akuter Tympanie/Aufgasung)
    • Heilkohletabletten als Erste Hilfe Mittel bei Vergiftung (nur Vergiftung, nicht bei Durchfall wegen anderer Gründe!)
    • Salbe/Spray zur Wund-Desinfektion, am besten auf natürlicher Basis z.B. Wund-Ex Spray von cdVet oder aber Octenisept
    • Heilerde (für äußerliche Anwendung; bei Haut- & Fellproblemen, zum Entgiften u.a.)
    • Ägyptisches Schwarzkümmelöl (bei vielerlei Problemen wie Innen- & Außenparasiten, zum Entgiften, Wundbehandlung, Pilz, Immunsystemstärkung, Darmreinigung, Verdauungsregulierung etc.)
    • cdVet Augentropfen oder Isotonische (Salzlösung-)Augentropfen (bei Schmutz in den Augen, zur Augensäuberung, bei leichter Entzündung oder nach Zug)
    • Meersalz-Nasenspray (zur Säuberung bei Fremdkörpern, Schnupfen und Allergie)
    • Elektrolythe (bei Futterverweigerung, allgemeiner Schwäche, nach Narkose und Krämpfen etc.)


    Futter & Trinken

    • Kräutertees (Kümmel-Anis-Kamille-Fenchel-Tee, bei Verdauungsstörungen; Erkältung)
    • Päppelfutter (Päppelbrei, Babygläschen (z.B. Möhre, Apfel-Banane), Mandeln(-mehl) und andere Nüsse, Kürbis-, Pinie- und Sonnenblumenkerne)
    • Aufzuchtmilch (wenn man ein trächtiges oder säugendes Weibchen hat/aufnimmt)
    • Apfelessig (Desinfektion von Käfig und Zubehör, Einreiben bei kleinen Pilzstellen (nicht am Auge))
    • viele verschiedene Kräuter (sollten als teil des Futters eh immer vorhanden sein)



    Zubehör & Sonstiges

    • Fieberthermometer
    • Transportbox
    • Snuggle Safe Heizkissen oder Kirschkernkissen
    • Fleecedecke
    • Rotlichtlampe
    • Notfall-/Ausweichkäfig
    • elektronische Küchenwaage (zur Gewichtskontrolle)
    • Sonstiges: unterschiedlich große Spritzen (Pflicht: 1ml-Spritzen), Wattepads, Ohrstäbchen, kleine Schere mit abgerundeter Spitze, Kernseife,selbstklebender Verband

    4. typische & häufige Erkrankungen

    Hier sollen die wichtigsten bei Mäuseartigen vorkommenden Erkrankungen vorgestellt werden. Ausführliche Infos zu en Symptomen und behandlung findet ihr auf meiner Chinchillaseite unter www.chinchilla-scientia.de 

    • Atemwegserkrankungen
    Ratten und Farbmäuse aber auch Rennmäuse neigen leider zu Atemwegserkrankungen. Weit verbreitet bei Ratten und Farbmäusen ist dabei die durch Bakterien ausgelöste Krankheit Mykoplasmose, die angeboren ist und später durch ungünstige Faktoren bzw. Immunsystemschwächung ausbrechen kann. Infizierte Tiere sind nicht heilbar ist, können und sollen aber in akuten Phasen mithilfe von Antibiotika (z.B. Baytril) und Asthmamedizin unterstützt werden.
    Atembeschwerden können auch auf Allergien zurückzuführen sein. Abhilfe kann z.B. eine staubarme Einstreu schaffen.
    Bedingt durch z.B. Zugluft können sich Mäuseartige wie wir Menschen auch erkälten, woraus sich auch eine gefährliche Lungenentzündung entwickeln kann. daher sind Erkältungssymptome nicht zu unterschätzen und sollten behandelt werden.

    • Verdauungsprobleme

    Verdauungsstörungen können durch ungewohntes oder ungesundes Fütterung ausgelöst werden. In dem Fall verschwinden sie auch wieder schnell, wenn man wie geohnt füttert und eventuell auch medikamentös (pflanzlich) unterstützt (z.B. durch Colosan, Rodicare akut etc.). Doch können für Durchfall & Co. auch diverse Parasiten wie Würmer, Kokzidien oder Giardien verantwortlich sein, ein Bakterien- oder Vireninfekt, aber auch Organisches, Tumore, Stress, zu wenig Bewegung oder eine defekte Verdauung aufgrund jahrelanger falscher Ernährung ausgelöst werden. Eine ins Labor eingeschickte Kotprobe kann Gewissheit über den Krankheitserreger schaffen. 


    • Haut- und Fellerkrankungen 
    1) Wunden (durch Bisse, Unfälle) - werden je nach Schweregrad mit Salben/Cremes/Sprays behandelt2) Selbstverstümmelung - Haltung muss optimiert werden!3) Hautpilze - durch geschwächtes Immunsystem ausgelöst, Haltung optimieren, Behandlung äußerlich mit Imaverol, bei schweren Fällen innerliche Behandlung notwendig4) Milben - durch geschwächtes Immunsystem ausgelöst, Haltung optimieren, Behandlung äußerlich mit Imaverol, bei schweren Fällen innerliche Behandlung notwendig5) bakterielle Infektionen - durch geschwächtes Immunsystem ausgelöst, Haltung optimieren & Immunsystem stützen, äußerliche Behandlung selten erfolgreich bzw. nr bei leichten Fällen, bei schweren Fällen innerliche Behandlung notwendig (z.B. mit Convenia; Baytril wirkt meist nicht!)6) übermäßige Körperpflege - kommt z.B. bei Rennmäusen vor, die dann kleine kahle Stellen im Fell haben, auf Frieden in Gruppe achten, ansonsten ungefährlich7) Fellprobleme durch fehlendes Sandbad - fehlt sandbadenenden Kleinsäugern das Sandbad , so sieht das Fell schnell ungepflegt und fettig aus, kann auch brechen, ausfallen, die Haut kann anfangen zu jucken usw.

    • Tumore - Gerade Farbmäuse und Farbratten neigen sehr häufig zur Tumorbildung. Aber auch Hamster, Lemminge & Co. können mit dem Alter tumoröse Vereänderung entwickeln. Sind die Tiere noch nicht sehr alt und sind die Tumore operabel, sollte sie in jedem Fall chirrgisch entfernt werden. Hat der Tumor bereits gestreut oder ist der Kleinnager breits alt, sollte man das Tier einschläfern lassen, sobald die Lebensqualität eingeschränkt ist und das Tier leidet.

    • Augenerkrankungen
    1) Infektionen, Bindehautentzündung
    2) Hornhautschäden

    • Operationen & Kastrationen - nach OPs sollte man sein Tier erst dann vom Tierarzt abholen, wenn es bereits wach ist. Zuhause sollte man eine Wärmequelle anbieten vorzugsweise eine Rotlichtlampe (aber nur in einer Ecke, sodass sich das Tier der Wärme entziehen kann!) alternativ ein Kirschkernkissen oder ein SchuggelSafe. Auslauf bzw generell Bewegung bringt den Kreislaf wieder in Schwung, von der Gruppe braucht man das Tier ebenso nicht trennen, dies wirkt sich im Gegenteil negativ aus (Stress, spätere mögliche Integrationsprobleme). Möchte das Tier nicht selbstständig fressen, bietet man ihm immer wieder Leckereien (egal was, haptsache es frisst erstmal von alleine, aber natürlich nur Sachen, die es auch kennt und verträgt) und Wasser/Tee/verdünnten zuckerfreien Saft aus der Spritze an und versucht es zu deren Aufnahme zu animieren. Wird Futter auch am nächsten Tag verweigert, sollte man 3-4x am Tag etwas Brei anrühren und bei Notwendigkeit das Tier damit füttern. 
    Falls die Wunde genäht wurde, werden die Fäden nach 10-14 Tagen entfernt, falls es sich nicht um selbst auflösende Fäden handelt oder sich die Nager diese nocht bereits selber gezogen haben.Je nach Eingriff ist die Gabe eines Antibiotikum und Schmerzmittels notwendig sowie die äußere Desinfektion.Geht es dem Tier nicht gut und es ist apathisch oder sieht die Operationswunde nicht normal aus (z.B. wenn eine Schwellung oder Entzündung vorliegt, die Wunde nesselt, riecht, dick ist, eitert etc.), sollte man unverzüglich den Tierarzt aufsuchen!
    • Sonstiges: Blasenentzündung, Organschäden, Diabetes, etc., Näheres zum Krankheitsbild etc. findet Ihr hier